Kostenübernahme für Schnarchschienen?

von Mirko Wachsmuth

Kurzer Blick auf Funktion und Preisklassen

Schnarchschienen bzw. Unterkieferprotrusionsschienen sind, wenn auch nicht für jeden geeignet, ein weit verbreitetes und inzwischen unbestrittenes Hilfsmittel im Kampf gegen Schnarchen und leichte bis mittlere Schlafapnoe. Mithilfe einer Schnarchschiene soll verhindert werden, dass die Zunge beim Schlaf in den Rachen sinkt. So können die Atemwege weitestgehend frei bleiben und Schnarchen durch diese Ursache wird verhindert. Eine genauere Beschreibung über die Funktionsweise und die verschiedenen Ausführungen der Schnarchschienen finden Sie hier. Jetzt soll es vorwiegend um die Kosten und eventuelle Kostenerstattungen durch Krankenkassen gehen.

Schnarchschienen im unteren Preissegment bekommt man für etwa 25 bis 50 Euro. Modelle in dieser Preisklasse sind erwartungsgemäß aus Kunststoff und nicht flexibel einstellbar. 

Schnarchschienen im mittleren Preissegment sind die „Klassiker“ und kosten etwa 70 bis über 150 Euro. Diese bei permanentem Bedarf empfohlenen Modelle, sind meist zweiteilig und lassen sich, oft durch das Boil & Bite System (Warmwasserbad), auch mehrfach anpassen. 

Die Protrusionsschienen mit dem höchsten Tragekomfort sind auch die, mit den höchsten Kosten. Sie werden nach einem Gebissabdruck im Zahntechniklabor angefertigt. Diese Oberklassenvarianten kosten von 600 bis 1.000, in einigen Fällen sogar bis 1.500 Euro.  Professionelle Untersuchung, Analyse und Beratung sind da freilich inklusive.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse?

Das Thema Kostenerstattung oder Kostenübernahme durch die Krankenkasse bei Schnarchschienen bzw. Unterkieferprotrusionsschienen ist in Deutschland eher „undurchsichtig“. Dass Schnarchschienen in belegten Fällen nachgewiesen Hilfe verschaffen, steht heute heute nicht mehr zur Diskussion. Trotzdem ist, zum Zeitpunkt der Artikelerstellung, eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse eine seltene Praxis. Das wiederum ist sehr ärgerlich, wenn man beachtet, dass Kosten für homöopathische Behandlungen erstattet werden, obwohl deren Evidenz nicht nachgewiesen werden kann. Eine allgemeine Feststellung zur Kostenübernahme ist weiterhin durch die Tatsache erschwert, dass die Kassen das Thema unterschiedlich handhaben.

So heißt es zum Beispiel bei der ERGO Versicherung online „Die Kosten für eine Protrusionsschiene werden nur bedingt von den Krankenkassen übernommen. Können Sie nachweisen, dass die Schnarchschiene für Sie medizinisch unbedingt notwendig ist, stehen die Chancen gut. … Sie können sich dafür (Schlafapnoe, Anm. des Autors) eine Bestätigung von Ihrem Arzt holen.“ Die DAK übernimmt die Kosten bis maximal 620 Euro, „wenn die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind“. Und die BARMER antwortet in ihrem Forum ausweichend auf die Frage nach einer Kostenerstattung wie folg: „Die Unterkieferprotrusionsschiene ist nicht Gegenstand der vertragzahnärztlichen Versorgung. Bei einem nachgewiesenen Schlafapnoesyndrom ist das CPAP System als klassisches anerkanntes Therapieverfahren das Mittel der Wahl.“ Als Ergebnis solcher Mitteilungen, empfiehlt die Seite Anwalt.de folgende Praxis: Erbringen Sie zwingend den Nachweis, dass die CPAP-Therapie über einen längeren Zeitraum erfolglos durchgeführt wurde.


Änderung der Kostenübernahmepraxis?

Dass mit dieser Situation viele Betroffene unzufrieden sind, ist verständlich. Aber es tut sich etwas. Zum einen erhöht sich der Widerstand der Betroffenen und auf der anderen Seite werden die Kassen immer öfter auf dieses Missverhältnis hingewiesen. So gab es bereits Gerichtsurteile zur Kostenübernahmepflicht der Schiene, z.B. mit der Begründung, dass es sich bei der Versorgung der Klägerin mit einer Unterkiefer-Protrusionsschiene um die Versorgung mit einem Hilfsmittel als notwendige, zweckmäßige und wirtschaftliche Leistung im Sinne des § 12 SGB V handle. Und im medizinischen Newsletter Ärzteblatt.de wird aktuell folgendes festgestellt: „Menschen, die an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, sind tagsüber weniger müde, wenn sie nachts eine Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) tragen. Das geht aus einem Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hervor. Laut IQWiG tolerieren Patienten diese Methode meist gut und bevorzugen sie oft gegenüber der PAP-Therapie.“

Es ist also Bewegung im Thema Kostenübernahme für Schnarchschienen bei leichter bis mittlerer Schlafapnoe. Da die von den Krankenkassen oft vorgeschlagene CPAP-Therapie erstens oft nicht vertragen wird und zudem auch noch teurer und unwirtschaftlicher ist, können Leidende möglicherweise bald mit einer Änderung der Momentanen Praxis rechnen. 

Linksammlung

Onlineforum Barmer zur Schnarchschiene

Tips von Anwalt.de zur Kostenübernahme

aerzteblatt.de : Unterkieferprotrusionsschiene eine gute Alternative

Ein Beitrag von Mirko Wachsmuth