Die Inspire Therapie mit dem Zungenschrittmacher

Standardmäßig kommt bei Betroffenen von obstruktiver Schlafapnoe (OSA) zunächst die sogenannte CPAP-Maske (continuous positive airway pressure) zum Einsatz. Diese verhindert durch einen kontinuierlichen Überdruck das Zusammenfallen der Atemwege. Doch nicht jeder Betroffene kommt mit der CPAP-Maske zurecht. Oft leiden Betroffene unter unerwünschten Nebenwirkungen wie zum Beispiel Mundtrockenheit, eine gereizte oder verstopfte Nase sowie Druckstellen oder fühlen sich generell unwohl mit der Maske. So kann die eigentlich wirksame Behandlung die Erwartungen an die Therapie nicht erfüllen. Die Maske wird nicht genutzt und die Schlafapnoe bleibt unbehandelt.

Eine wirkungsvolle Behandlungsalternative

Mit der Inspire Therapie gibt es für Betroffene, die mit der CPAP-Maske nicht behandelt werden können, eine wirkungsvolle Alternative, denn nächtliche Atemaussetzer werden deutlich verringert.

Diese Behandlungsform wird von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung empfohlen, wenn die CPAP-Maske nicht ausreichend wirkt oder abgelehnt wird.1

Sanfte Stimulation im Einklang mit dem natürlichen Atemrhythmus

Bei Betroffenen von Obstruktiver Schlafapnoe setzt nachts die Atmung mehrmals für einen längere Zeitperiode von mehr als 10 Sekunden aus. Ursächlich für die Atemaussetzer ist die Erschlaffung der Zungenmuskulatur und des umliegenden Gewebes während des Schlafes. Die oberen Atemwege sind durch das Zurückfallen der Zunge verschlossen und es kann keine Luft in die Lungen strömen. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel führt zu häufigem Aufwachen während der Nacht.

Der Zungenschrittmacher behandelt die Ursache der Schlafapnoe, indem durch eine sanfte Stimulation des Zungennervs (synchron mit der Einatmung) wichtige Atemwegsmuskeln stimuliert werden. Somit wird einem Verschluss der Atemwege entgegengewirkt.

Die Inspire Therapie wird als Atemwegsstimulation bezeichnet, denn sie stimuliert während des Schlafs gezielt des Zungennerv. Somit wird ein Erschlaffen und Zurückfallen der Zunge verhindert und die Atemwege werden durch milde Stimulation offengehalten. Atemaussetzer werden verhindert und der Schlaf in seiner Qualität unterstützt. Atemaussetzer und andere Symptome der Obstruktiven Schlafapnoe, wie z. B. Schnarchen und Tagesmüdigkeit, treten durch die Atemwegsstimulation mit dem Zungenschrittmacher seltener auf.

Das Inspire System wird über eine kleine Fernbedienung gesteuert und besteht aus drei Komponenten: einem kleinen Generator, einem kompakten Atemsensor und einer Stimulationselektrode.

Das System funktioniert per Knopf­druck und arbeitet im Einklang mit dem natürlichen Atemrhythmus. Dieser wird während des Schlafs kontinuierlich gemessen. Die Therapie wird einfach abends mit einer Fernbedienung vor dem Zubettgehen eingeschaltet und am Morgen nach dem Erwachen wieder ausgeschaltet. Im Allgemeinen ist der Zungenschrittmacher sehr gut verträglich.

Wirksam, sicher, erprobt

Inspire ist eine wissenschaftlich geprüfte und nachweislich wirksame Therapie bei obstruktiver Schlafapnoe. Nächtliche Atemaussetzer werden durch die Atemwegsstimulation um 79 % reduziert.3 Studien haben außerdem gezeigt, dass durch die Inspire Therapie das Schnarchen deutlich reduziert werden kann oder sogar ganz verschwindet2 – was auch dem Partner zugutekommt.

Die Therapie ist nicht nur wirksam auch die Zufriedenheit der Inspire Nutzer ist mit 94 % sehr hoch.4  Weltweit gibt es bereits 20.000 Inspire Nutzer.

Therapieablauf in vier Phasen

Damit Betroffenen von Schlafapnoe den optimalen Therapieerfolg mit dem Zungenschrittmacher erzielen können, gibt es einen genauen Ablaufplan der Therapie, welcher in vier Phasen unterteilt ist.

Voruntersuchung

Im ersten Schritt wird in einer Voruntersuchung durch einen geschulten Mediziner abgeklärt, ob der Betroffene für die Inpire Therapie in Frage kommt. Dieses Erstgespräch findet in einem Inspire Behandlungszentrum statt. Außerdem werden zusätzlich schlafmedizinische Untersuchungen vorgenommen, wie eine sogenannte Polysomnografie im Schlaflabor. Diese nächtlichen Messungen sind wichtig um die Obstruktive Schlafapnoe sicher zu diagnostizieren.

Für Betroffene kann die Inspire Therapie eine Alternative sein, wenn:

  • sie an einer mittleren bis schweren OSA leiden.
  • bei ihnen die CPAP-Therapie nicht ausreichend wirkt oder die Maske Probleme bereitet.
  • sie nicht zu stark übergewichtig sind (Body Mass Index unter 35).

Nach erfolgreicher Untersuchung kann ein Termin für das Einsetzen des Zungenschrittmachers in einem spezialiserten Behandlungszentrum ausgemacht werden.

Implantation

Während eines kurzen stationären Aufenthalts von 2 bis 4 Tagen wird das Inspire System in einem spezialisierten Behandlungszentrum eingesetzt. Die Implantation erfolgt unter Vollnarkoseüber zwei bis drei kleine Schnitte an Hals und Brustkorb. Eine Operation mit großer Wundöffnung ist nicht nötig. In der Regel kann man noch am Tag des Eingriffs normal essen und sprechen. Ungefähr 10 Tage nach Einsetzen des Zungenschrittmachers können die Fäden gezogen werden.

Aktivierung

Erst nach ca. 2-4 Wochen, sobald der Zungenschrittmacher vollständig eingeheilt ist, darf das System verwendet werden. Das System wird hierbei mit den persönlichen Werten des Betroffenen aktiviert und individuell an die Therapie angepasst. Außerdem bekommt der Inspire Nutzer eine umfangreiche Einführung für die Bedienung und Handhabung des Zungenschrittmachers. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase von ein paar Nächten bemerken die meisten Inspire Nutzer die nächtliche Stimulation nicht mehr und können ungestört schlafen. Nach circa 3 Monaten wird das System im Schlaflabor über Nacht an die Bedürfnisse des Inspire Nutzers angepasst und gegebenenfalls nachjustiert.

Nachsorge

Einmal im Jahr wird bei einem Nachsorgetermin mit dem behandelten Arzt oder Schlafmediziner die Nutzung des Systems als auch der Batteriestatus ausführlich kontrolliert. Gegebenenfalls kann die Therapie nachjustiert und angepasst werden.

Die Kosten für den Zungenschrittmacher trägt die Krankenkasse

Die Inspire Therapie ist eine nachgewiesen wirksame Behandlungsmethode bei obstruktiver Schlafapnoe. Derzeit wird die Behandlung in den Inspire Behandlungszentren von den Krankenkassen übernommen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von Inspire Sleep.

Referenzen:

1 Mayer G, Arzt M, Braumann B et al. S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen, Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“. Somnologie 2017; 20 (Suppl s2): 97-180 2 Hasselbacher et al. Patient-reported outcome: results of the multicenter German post-market study. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2018 Jul;275(7):1913-1919. 3 Woodson, B. T. et al. (2018): Upper Airway Stimulation for Obstructive Sleep Apnea: 5-YearOutcomes. In: Otolaryngology – Head and Neck Surgery, Vol. 159(1), S. 194-202. 4 Heiser, C., Steffen, A., Boon, M. et al. (2019): Post approval upper airway stimulation predictors of treatment effectiveness in the ADHERE registry. In: European Respiratory Journal, Vol. 53(1):1801405.